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Wird sich das Hybridfahrzeug durchsetzen?
Das Hybridauto ist nichts Neues. Das erste Exemplar, der Lohner-Porsche,
wurde 1898 von Ferdinand Porsche entwickelt. Damals diente die Hybridfunktion
als elektrisches Getriebe und nicht als Krafter-höhung. Mit
Ferdinand Porsche als Fahrer stellte der Wagen mehrere österreichische
Geschwindigkeits-rekorde auf, wie auf der Exelberg Rally im Jahre
1901. Ein weiteres Beispiel eines frühen Hybrids war das in
Chicago gebaute 1915er Woods Motor Vehicle. In diesem Wagen kam
ein vierzylindriger Verbrennungsmotor und ein Elektromotor zum Einsatz.
Unter 25 km/h trieb der Elektromotor das Fahrzeug an, dann griff
der Benzinmotor ein, um es bis zur seiner Höchstgeschwindigkeit
von 55 km/h zu beschleunigen. Im Rahmen des Federal Clean Car Incentive
Program installierte Victor Wouk einen Hybridtriebstrang in einen
1972er GM Buick Skylark; aber 1976 wurde das Programm von der Umwelt-schutzbehörde
der USA eingestellt. Inzwischen haben Honda und Toyota bei der Kommerzialisierung
attraktiver und kraftstoffsparender Hybridautos große Fortschritte
gemacht.
Das Hybrid-Elekrofahrzeug (HEV) spart dadurch Kraftstoff, indem
die beim Bremsen freiwerdende kinetische Energie gespeichert wird,
die dann beim Beschleunigen einen Elektromotor zur Unterstützung
des Verbrennungsmotors dient. Außerdem wird der Verbrennungsmotor
bei Halts und während der Langsamfahrt abgestellt. Wird volle
Leistung benötigt, treiben Verbrennungsmotor und Elektromotor
gleichzeitig an. Diese Leistungsteilung bietet zwei Vorteile: Man
kommt mit einem kleinerer Verbrennungsmotor aus und die Beschleunigung
ist besser, da der Elektromotor ausgezeichnete Drehmomenteigenschaften
aufweist.
Bei den meisten HEV kommt ein vom Verbrennungsmotor zu den Rädern
verlaufender mechanischer Triebstrang zur Anwendung. Auch in Bezug
auf Kurbelwelle, Kupplung und Getriebe gleicht das HEV einem normalen
Fahrzeug; darüber hinaus verfügt es jedoch noch über
einen Elektromotor und einen großen Akku. Diese Ausführung
wird Parallelkonfiguration genannt. Bei den meisten neuen Plug-in-HEV
wird jedoch die Reihenkonfiguration verwendet, bei der die Räder
von einem oder mehreren Elektromotoren angetrieben werden. Statt
einer mechanischen Verbindung zu den Rädern, treibt der Verbrennungsmotor
einen Generator an, der den Strom für diese Motoren erzeugt.
Wie beim Laptop oder Handy schließt der Fahrer sein Auto über
Nacht zum Laden an eine Steckdose an. Die Reichweite mit einem voll
geladenen Akku beträgt normalerweise 32 km. Auf längeren
Fahrten versorgt der Verbrennungsmotor die Elektromotoren mit Strom.
Welcher Akku eignet sich am besten für Hybridautos?
Bei den frühen HEV-Modellen kamen Blei-Säure-Akkus zum
Einsatz, weil es nichts anderes gab. Heute nehmen Honda und Toyota
Nickelmetallhydrid-Akkus (NiMH). Diese Akkus sind gegenüber
Bleiakkus leichter und umweltfreundlicher. Der Akku besteht aus
zylindrischen Zellen, die in Reihenschaltun mehrere hundert Volt
bringen. Die Zellen sind in räumlichem Abstand zueinander angeordnet,
damit eine gute Luftkühlung möglich ist. Abbildung 1 zeigt
ein Demonstrationspack eines frühen Akkus für Toyota-Hybrids.
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Abbildung
1: Nickelmetallhydrid-Akku eines Hybridautos von Toyota.
Die Zellen (orangefarben) sind luftgekühlt. Der Akku
sitzt hinter dem Rücksitz.
Mit freundlicher Genehmigung des Toyota-Museums
in Nagaya/Japan |
Eines der entscheidenden Anforderungen an einen Hybrid-Akku ist
eine lange Lebensdauer. Wiederauf-ladbare Batterien für den
Normalverbraucher halten normalerweise zwei bis drei Jahre. Diese
kurze Lebensdauer ist kein großer Nachteil für Handys,
Laptops und Digitalkameras, da die Geräte schnell überholt
sind. Beim Preis eines Akkupacks von 2000 bis 3000 Dollar ist das
Erneuern eines HEV-Akkus eine teure Angelegenheit.
Die meisten HEV-Akkus haben eine Garantiezeit von acht Jahren. Diese
lange Lebenszeit wird dadurch erreicht, dass die Akkus im Hinblick
auf Langlebigkeit und nicht auf kompakte Größe und leichtem
Gewicht entwickelt werden, wie das bei Akkus für tragbare Geräte
der Fall ist. Da der Akku auf Rädern läuft, ist das Mehr
an Gewicht und Größe nicht entscheidend.
Ein NiMH für ein HEV kann 1000mal ent- und wieder geladen werden,
wenn dies bei 80 % Entladungstiefe geschieht. Bei einem Hybridauto
wird der Akku selten ganz entladen, es sei denn, der Besitzer wohnt
auf einem Berg und benötigt den gesamten Akkustrom, um von
der Arbeit nach Hause zu kommen. In solch einem Fall würde
der Akku stark belastet und seine Lebenszeit verkürzt. Bei
den meisten Anwendungen benötigt der Akku jedoch nur 10 % seiner
Nennkapazität. So ist der Akku für tausende Ladezyklen
gut. Die Akkus in Satelliten werden ganz ähnlich belastet:
Während der Satellitennacht werden sie um nur 10 % entladen.
Die Nasa erreicht dies durch eine größer als erforderliche
Auslegung des Akkus.
Einer der Nachteile des NiMH ist der nicht gerade umwerfende Wirkungsgrad
bei der Energieum-formung. Dies führt beim Laden und Entladen
zur Erwärmung des Akkus. Der beste Ladewirkungsgrad liegt bei
einem Ladezustand von 50-70 % vor. Über 70 % kann der Akku
die Ladung nicht mehr gut aufnehmen, sodass viel Ladeenergie in
Wärme umgesetzt wird. Soll ein Akku teilgeladen betrieben werden,
ist eine größere Masse erforderlich, wodurch das Verhältnis
Energie zu Gewicht und der Wirkungsgrad schlechter werden.
Die Japaner haben verschiedene Akkuchemien ausprobiert, darunter
auch wieder Blei-Säure. Heute liegt der Fokus auf Lithiumion.
Lithiumion auf Kobaltbasis ist eine der ersten Chemien der Lithium-Familie
und bietet eine sehr hohe Energiedichte. Leider kann dieses Akkusystem
keine großen Ströme liefern und ist darum auf tragbare
Geräte beschränkt.
HEV-Hersteller experimentieren mit Mangan (Spinel) und Phosphat.
Diese Lithiumion-Systeme haben einen extrem niedrigen Innenwiderstand,
liefern hohe Ströme und vertragen Schellladungen. Entgegen
der Kobalt-Version bleibt durch die gesamte Lebenszeit des Akkus
hindurch der Widerstand gering. Um die Eigenschaften des Mangan-Lithiumion
zu überprüfen, belastete ein Forschungslabor über
sieben Jahre hinweg eine Zelle mit 30.000 Entlade/Lade-Zyklen. Obwohl
die Kapazität von 100 % auf 20 % abfiel, bliebt der Innenwiderstand
der Zelle gering. Der Nachteil von Mangan und Phosphat ist die niedrigere
Energiedichte; auf der anderen Seite bieten diese Systeme jedoch
20 % mehr Kapazität pro Gewichts-einheit als NiMH und dreimal
so viel wie Blei-Säure. Abbildung 2 zeigt die Energiedichte
von Blei, Nickel und Lithiumion. Ich möchte darauf hinweisen,
dass bei Lithiumion-Systemen auf Kosten der Sicherheit und des Zykluslebens
eine höhere Energiedichte möglich wäre.
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Abbildung
2: Energiedichte der herkömmlichen Akkusysteme.
Kobalt-Lithium bietet die höchste Energie-dichte. Mangan
und Phosphat sind thermisch stabiler und liefern höhere
Lastströme als Kobalt. |
Noch muss weiter geforscht werden; doch sind die Lithiumion-Systeme
vielversprechende Kandidaten für die HEV und die Plug-in-HEV.
Hier einige der noch zu überkommenden Hindernisse:
Dauerhaftigkeit: Der Käufer fordert mindestens zehn
Jahre Garantie. Gegenwärtig können die Akkuhersteller
NiMH-Akkus für Hybridfahrzeuge nur mit acht Jahren Garantie
liefern. Die Langlebigkeit von Lithiumion ist noch nicht nachgewiesen
und selbst acht Jahre sind gegenwärtig noch happig.
Kosten: Wenn mit 2000 bis 3000 Dollar die Kosten für
den Ersatz von Nickelmetallhydrid-Packs schon zu hoch sind, so wird
das bei Lithiumion noch teurer. Gegenüber anderen Chemien kostet
die Herstellung dieser Systeme im Moment noch mehr; es ist jedoch
damit zu rechnen, das es durch verbesserte Fertigungsmethoden billiger
wird. NiMH hat das niedrige Preisniveau bereits erreicht. Die Kosten
lassen sich durch die hohen Nickelpreise nicht weiter senken.
Sicherheit: Lithiumion auf Mangan- oder Phosphatbasis ist von
Natur aus sicherer als Kobalt. Kobalt wird schon bei einer Temperatur
von 150 °C thermisch instabil. Mangan- und Phosphatzellen können
dagegen 250 °C erreichen, bevor sie instabil werden. Trotz der
hohen thermischen Stabilität benötigt der Akku aufwendige
Schutzkreise für die Überwachung der Zellenspannung und
Begrenzung des Stromes im Fehlerfall. Weiterhin muss der Schutzkreis
die Unterschiede in den Zellen, die sich mit den Jahren einstellen,
kompensieren. Die vor kurzem aufgetretenen Probleme mit Lithiumion-Akkus
in Mobilgeräten werden ihren Eintritt in den HEV-Markt möglicherweise
verzögern.
Verfügbarkeit: Die Hersteller von Mangan- und Phosphatzellen
können der Nachfrage kaum nachkommen. Ein rascher Anstieg des
Bedarfs an Lithium für HEV-Akkus würde zu Engpässen
in der Akkuproduktion führen. Bei 7 kg Lithium pro Akku würde
es voraussichtlich zu einem Rohstoffmangel kommen. Die meisten Lieferanten
von Lithium befinden sich in Südamerika, Argentinien, Chile
und Bolivien.
Das Plug-in Hybrid Electric Vehicle (PHEV)
Stellen Sie sich einmal vor: Ein Plug-in Electric Vehicle, also
ein Elektrofahrzeug mit Ladesteckdose, kann mit einer Akkuladung
32 km weit fahren. Es gibt keine Umweltverschmutzung und die Nachbarn
hören kein Kommen und Gehen, da das Fahrzeug keinen Laut von
sich gibt. Es gibt keine Bezinsteuer zu bezahlen und das Straßennetz
ist ohnehin frei. Ist dies das Paradies der Autofahrer?
So gut es auch klingen mag, die Einsparungen sind gering oder null
- wegen des Akkus. Laut Dr. Menahem Anderman, einem führenden
Experten auf dem Gebiet hochentwickelter Fahrzeugakkus, gibt es
bisher noch keinen geeigneten Akku für Plug-in-HEV, auch sei
die Zuverlässigkeit der Lithiumion-Technologie für Automobilanwendungen
nicht nachgewiesen. Im Gegensatz zu herkömmlichen HEV, die
mit leichten Ladungen und Entladungen betrieben werden, kommt es
bei Plug-in-HEV zu Tiefent-ladungen. Damit eine annehmbare Reichweite
erzielt werden kann, müsste der PHEV-Akku fünfmal größer
sein als der HEV-Akku. Mit einer geschätzten Lebensdauer von
1000 Vollentladungen muss der Akku alle drei Jahre ausgewechselt
werden. Bei einem Preis von 10.000 Dollar für einen neuen Akkusatz
sind die Einsparungen schnell aufgezehrt.
Moderne Autos sind nicht nur für die Beförderung da; sie
sind auch im Hinblick auf Sicherheit, Komfort und Unterhaltung ausgestattet.
Dazu gehören zuerst einmal die Scheinwerfer und die Scheibenwischer.
Die meisten Käufer wollen auch Heizung und Klimaanlage. Diese
Annehmlichkeiten sind in benzin-getriebenen Fahrzeugen eine Selbstverständlichkeit,
müssen in PHEV jedoch sparsam genutzt werden.
Analysten rechnen damit, dass es noch 10 Jahre dauert, bevor ein
marktfähiges Plug-in-HEV zur Verfügung steht. Die Aussicht
auf eine sauberes Brennstoffzellenauto ist noch frisch in unserer
Erinnerung. Heute rechnen Analysten damit, dass die Brennstoffzelle
erst in 20 Jahren für die Massen-produktion reif sein wird.
Gerüchten zufolge, wird die Brennstoffzelle nie ihren Weg in
ein normales Auto finden. Wenn das wahr ist, wird sich ein weiterer
Traum in Luft auflösen; so wie Mitte des 19. Jahrhunderts das
dampfgetriebene Flugzeug, das zum Fliegen einfach zu schwerfällig
war.
Das Paradox des Hybridfahrzeugs
Auf der Advanced Automotive Battery Conference in Hawaii behauptete
ein Teilnehmer einem HEV-Hersteller gegenüber, dass ein deutscher
Diesel weniger verbraucht als ein Hybrid. Der professionelle Verkäufer
wies dies glatt zurück. Doch ist an der Behauptung ein Fünkchen
Wahrheit. Auf der Autobahn verbraucht ein Diesel tatsächlich
weniger, während ein HEV im Stadtverkehr besser abschneidet.
Der Zusatzantrieb für schnelle Beschleunigung und das regenerative
Bremsen sind Vorteile, die ein deutscher Diesel nicht bieten kann.
Jemand fragte darauf, was passieren würde, wenn der Akku eines
HEV auf einem langen Bergpass leer wird. "Hat das Auto noch
genügend Leistung?" Die Antwort lautete, dass das Auto
es mit dem Verbren-nungsmotor allein schon schaffen würde,
die Manövrierfähigkeit wäre allerdings eingeschränkt.
Um diesen Eventualitäten vorzubeugen bieten einige HEV-Hersteller
heute SUV mit 250-PS-Verbrennungs-motor und 150-PS-Elektromotor
an, insgesamt also 400 PS. Solch ein Auto würde sicherlich
Käufer finden, insbesondere wenn der Staat das "Grünsein"
subventioniert. Leider haben die Käufer kleiner Autos oder
die Benutzer öffentlicher Verkehrsmittel keinen Anspruch auf
solche Geschenke.
Fazit
Wir nehmen an, dass bei Hybrid-Elektrofahrzeugen der Lithiumion-
den NiMH-Akku langsam ver-drängen wird, auch wenn heute die
kurze Lebensdauer, die hohen Fertigungskosten und die Sicherheits-probleme
noch im Wege stehen. Wir dürfen dabei nicht vergessen, dass
der Automobilmarkt für eine neue Akkutechnologie nur geringe
Preiserhöhungen akzeptiert. Hinzu kommt, dass Lithiumion gegenüber
NiMH nur 20 % mehr Energiedichte pro Gewichtseinheit zu bieten hat.
Der NiMH-Akku hat sich in den heutigen HEV bewährt, und eine
neue Chemie müsste mehr als nur geringe Vorteile aufweisen,
damit sich Käufer finden.
Toyota, Honda und Ford sind in der HEV-Technik führend. Andere
große Autohersteller werden voraussichtlich 2010 mit wettbewerbsfähigen
Modellen herauskommen. Panasonic EV Energy und Sanyo liefern gegenwärtig
90 % der HEV-Akkus. Doch entwickeln beide Firmen auch Lithiumion-Akkus.
Während Japan und Korea sich auf Mangan konzentrieren, experimentiert
man in den USA mit Phosphat, die Chemie die A123 Systems berühmt
macht. Europa dagegen verlässt sich auf saubere Dieselmotoren.
Die Abgase dieser Motoren sind so sauber, dass sie selbst ein über
den Auspuffrohrauslass gehaltenes Papiertuch nicht verschmutzen.
BMW arbeitet an einem Wasserstoffmotor mit Nullemission.
Die Zeit wird zeigen, wer das Rennen um das sauberste, sparsamste
und dauerhafteste Fahrzeug gewinnt. Was die Dauerhaftigkeit angeht,
so stände der Diesel heute auf dem Siegerpodest. Wir wollen
hoffen, dass es eines Tages einen Akku gibt, der die Langlebigkeit
des robusten Dieselmotors noch übertrifft.
engine.
Literaturverzeichnis: Menahem Anderman, Status and
Prospect of Battery Technologies for Hybrid Electric Vehicles, including
Plug-in Hybrid Electric Vehicles, Januar 2007.
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Created: March 2007
Über den Autor
Isidor Buchmann ist Gründer und Geschäftsführer der
in Vancouver / BC ansässigen Cadex Electronics Inc. Herr Buchmann
ist in der Radiokommunikation zu Hause und hat das Verhalten von wieder
aufladbaren Akkus über zwei Jahrzehnte hinweg anhand praktischer
Anwendungen studiert. Als preisgekrönter Autor vieler Bücher
und Artikel über Akkus hat Herr Buchmann auf Seminaren und Konferenzen
auf der ganzen Welt technische Vorträge gehalten.
Cadex
Electronics ist Hersteller von modernen Akku-Lade- und Akku-Analysegeräten
sowie von PC-Software. Produktinformationen finden Sie im Internet
unter www.cadex.com.
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